Thomas Murner als Rezipient Sebastian Brants - Ein anderer Narrenbegriff close

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Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 21
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 9  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 125 KB
Archivnummer: V58950
ISBN (E-Book): 978-3-638-53008-8
ISBN (Buch): 978-3-638-93018-5

Zusammenfassung / Abstract

In dieser Arbeit möchte ich mit einem Rezipienten Sebastian Brants beschäftigen, Thomas Murner. Hier geht es jedoch nicht nur darum, zu zeigen, inwieweit Murner eben nicht nur ein „sklavischer Nachahmer und Abschreiber Brants“ war, sondern durchaus dessen Ideen veränderte und abwandelte, sowohl inhaltlich als auch in der Form. Hier geht es auch darum zu zeigen, wie sich Ideen und Vorstellungen im Laufe der Zeit, im Wechsel der Generationen verändern können. Zu Beginn werde ich versuchen einen Überblick über die überaus interessante Biografie Thomas Murners zu geben, um dann zu beschreiben, wie Murner den übernommenen Stoff verarbeitete.

Textauszug (computergeneriert)

Philipps- Universität Marburg Fachbereich: 09 – Germanistik und Kunstwissenschaften Institut für Ältere deutsche Literatur

Hausarbeit zum Thema: Thomas Murner als Rezipient Sebastian Brants - Ein anderer Narrenbegriff

Verfasserin: Nadine Merten
WS 2004/2005

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort ... 1

Biografisches ... 1

Übernahme, Rezeption und Umwandlung des Brant’ schen Narrenschiffs und dem damit verbundenen Narrenbegriff ... 6

- Allgemein ... 6
- Bezüge ... 7
- Methode ... 8
- Reformationsliteratur? ... 11
- Der Narr ... 11

Das Weltbild der damaligen Zeit ... 13

Fazit und Ausblick ... 15

 

Vorwort

In dieser Arbeit möchte ich mit einem Rezipienten Sebastian Brants beschäftigen, Thomas Murner. Hier geht es jedoch nicht nur darum, zu zeigen, inwieweit Murner eben nicht nur ein „sklavischer Nachahmer und Abschreiber Brants“1 war, sondern durchaus dessen Ideen veränderte und abwandelte, sowohl inhaltlich als auch in der Form. Hier geht es auch darum zu zeigen, wie sich Ideen und Vorstellungen im Laufe der Zeit, im Wechsel der Generationen verändern können. Zu Beginn werde ich versuchen einen Überblick über die überaus interessante Biografie Thomas Murners zu geben, um dann zu beschreiben, wie Murner den übernommenen Stoff verarbeitete.

 

Biografisches

„ Er ist einer von jenen schweifenden und vielschichtigen Geistern, die sich schwer definieren lassen. Kaum scheint er sich irgendwo niedergelassen zu haben, ist er auch schon wieder davongeflogen, und oft weiß man nicht, wohin. So verhält sich’ s auch mit seinem Charakter: glaubt man, man hätte ihn gefasst, ist er einem bereits wieder entschlüpft.“2

Allgemein zu sagen ist, dass Thomas Murner der zweiten Generation der elsässischen Humanisten angehörte, also diesen, die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts geboren wurden. Seine „Vorgänger“, also die Angehörigen der ersten Generation, waren Sebastian Brant, Geiler und Wimpheling. Im Gegensatz zu diesen früher Geborenen sahen Murner und seine Altersgenossen sich direkt mit der Reformation konfrontiert und es galt Stellung zu beziehen. Keiner jedoch tat dies in dem Maße wie Thomas Murner. Dieser griff besonders Luther und Zwingli durch satirische Schreibart stark an, was ihn nicht nur der protestantischen Welt „entfremdete“3 , sondern auch in den eigenen Reihen, Thomas Murner war Franziskaner, Kritik einbrachte.
Philippe Dollinger zeichnet in seiner Murner- Biografie drei Lebensstationen auf, an denen ich mich hier orientieren will. Allgemein lässt sich vorwegnehmen, dass Murner nicht zu den sesshaften Menschen gehörte, dass er nie lange an ein- und demselben Ort verweilte. Die erste Periode seines Lebens lässt sich in die Jahre 1495-1510 einteilen, Dollinger nennt sie die Zeit „der Heranbildung, des Besuchs verschiedener Universitäten, des Ansammelns von Wissensstoff, der Unentschiedenheit zwischen Theologie, Jurisprudenz und den Wissenschaften der Artistenfakultät, aber auch der Gehversuche in einigen literarischen Gattungen“.4
Thomas Murner wurde im Jahr 1475 in Oberehnheim, heute Obernai, im Elsass geboren. Von Geburt an schien Thomas an einer angeborenen Krankheit zu leiden, Zeit seines Lebens hatte er eine nur schwache Gesundheit und er hinkte leicht. Diese Krankheit machte ihn schon früh zu einem Einzelgänger, mit 15 Jahren kommt er dann in ein Franziskanerkloster und besucht die dortige Schule, sein Lehrer wird Konrad von Bondorf. Seine Eltern waren 1481 nach Straßburg umgezogen.
Heute ist es erwiesen, dass Thomas Murner schon dort den Predigten Geilers lauschte und auch Sebastian Brants Narrenschiff sofort nach dessen Erscheinen las.
1494 wird Murner im Alter von 19 Jahren zum Priester geweiht, er war hiermit der einzige unter den Straßburger Humanisten, der einem Mönchsorden angehörte. Dies muss beachtet werden, denn die dadurch verursachte Dogmentreue und scharfe Ablehnung der Reformation grenzte ihn von den anderen ab.
1495 bereits beginnt Murner mit seinen Reisen, die, wie oben beschrieben, nie enden werden. Die Reiselust unterscheidet Murner von den anderen Humanisten, die selten über die Grenzen des eigenen Reiches hinausgeblickt haben. Ein Aspekt, der nicht eindeutig zu bewerten ist, denn aus diesen Reisen müsste eigentlich, nach heutiger Sichtweise, ein sehr erweiterter Horizont hervorgegangen sein. Grund dieser Reisen war aber nicht nur die unbeschränkte Entdeckungslust Murners, sondern eben auch die Tatsache, dass er schnell in Konflikte verwickelt wurde oder diese selbst hervorrief. Von seinen Zeitgenossen wurde sein Umherziehen stets negativ bewertet und benutzt, um Murner als nicht ernstzunehmenden Menschen zu zeichnen. 1495- 1497 studierte Murner in Freiburg im Breisgau an der dortigen Artistenfakultät, danach in Paris mit dem Abschluss des Baccalaureus artium. 1498 hält er sich für kurze Zeit in Köln auf bis 1499, um dann in Freiburg im Breisgau noch den Abschluss des Magister artium zu erlangen. Im folgenden Jahr verweilt er nacheinander in Köln, Rostock, Prag und Krakau und erlangt den Baccalaureus theologiae. Bereits 1502 beweist Murner seine Streitlust und seine Kompromisslosigkeit in einem Streit mit Jakob Wimpheling, der in einem Traktat namens Germania5 versuchte zu beweisen, das Elsass sei niemals französisch gewesen. Murner bringt dann sofort eine Widerlegung der gesamten Arbeit unter dem Titel Germania nova heraus, in der er mit ebenso fadenscheinigen Argumenten wie Wimpheling genau das Gegenteil zu beweisen versucht. Wimpheling ärgerte sich so über diesen Widerspruch, dass er das Traktat vom Magistrat beschlagnahmen ließ, außerdem hatte Wimpheling großen Einfluss. So trug er seinen Anhängern auf, die Defensio Germania zu verfassen, in der Murner mit allerlei bösartigen Schimpfnamen versehen wird. Der bekannteste davon ist der Name Mur- nar, was soviel wie närrischer Kater bedeutete und welcher ihm sein Leben lang anhängen wird. Ab diesem Zeitpunkt, kann man sagen, war Murner aus dem Kreis der Humanisten ausgeschlossen und blieb es, auch wenn er teilweise beachtliche Schriften verfasste.

[...]


1 Zarncke, Friedrich. Zitiert nach: Zylmann, Peter: Zu Murners Narrenbeschwörung und Schelmenzunft. In : Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 38 (1913), S. 567.
2 Schmidt, Charles: Histoire littéraire de l’Alsace : à la fin du XVe et au commencement du XVIe siècle. Reprograf. Nachdruck der Ausgabe Paris 1879. Hildesheim: Olms 1966. Zitiert Nach: Dollinger, Philippe: Das Leben Thomas Murners. In: Thomas Murner: elsässischer Theologe und Humanist. Eine Ausstellung d. Bad. Landesbibliothek, Karlsruhe u. d. Bibliothèque Nationale et Univ., Strasbourg; Ausstellungskatalog. Hrsg. v. d. Bad. Landesbibliothek Karlsruhe. Karlsruhe: Bad. Landesbibliothek 1987, S. 34.
3 Dollinger; Philippe: Das Leben Thomas Murners, S. 21.
4 Ebd., S.21.
5 Wimpheling, Jacob: Iacobi Wimpfelingii Germania ad rempublicam Aregntinensem. Argentorati: Schmidt 1874.

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