Selbstinszenierungen einer Autorin: Elfriede Jelinek als literarische Figur und öffentliche Person

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Details

Titel: Selbstinszenierungen einer Autorin: Elfriede Jelinek als literarische Figur und öffentliche Person
Autor: Guido Scholl
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Institution/Hochschule: Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover (Seminar für Deutsche Literatur und Sprache)
Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 106
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 43  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 755 KB
Archivnummer: V34930
ISBN (E-Book): 978-3-638-35004-4
ISBN (Buch): 978-3-638-70455-7
Anmerkungen :
In meiner Arbeit habe ich ein weitgehend unerforschtes Gebiet bearbeitet. Elfriede Jelinek ist wie kein anderer Autor auch über ihr öffentliches Auftreten und dessen Reflexionen in ihren Werken zu begreifen.

Zusammenfassung / Abstract

Die Nobelpreisträgerin 2004, Elfriede jelinek, inszeniert sich bewusst selbst - öffentlich wie im eigenen Werk. Weil auch ihre Gegner und konstruktiven Kritiker immer ein Stück Jelinek-Inszenierung wagen. Wechselwirkungen zeigen und Ursachenforschung sind Ziel dieser Arbeit. So sehr Jelinek die Zustände in der modernen Gesellschaft, vornehmlich in ihrer Heimat Österreich, mittels brutal anmutender Bilder anprangert und mit dem literarischen Finger auf jene zeigt, die ihrer Ansicht nach eine Schuld an den Missständen tragen, muss man doch davon ausgehen, dass sie keine Lehrfigur im Sinne einer Moralpredigerin sein will. Schon gar nicht ist sie ein Star im Boulevard-Sinn. Vielmehr geht es der Autorin darum, das, was ihrer Meinung nach ful ist im Staate Österreich, beim Namen zu nennen, es laut auszusprechen, um eben nicht zuzulassen, dass das passiert, was in Österreich als Negativbeispiel nach dem Zweiten Weltkrieg geschehen ist: Verdrängung und Vertuschung. Das Moralisieren, das Lehren ist zwar nicht Jelineks Sache. Trotzdem kann man gerade in den neueren Texten wie Ein Sportstück und Das Werk beobachten, dass Autorin-Figuren auftreten. Diese heißen entweder explizit „Autorin“ oder im Sportstück Elfi Elektra. Solche Auftritte legen nahe, dass Jelinek bestimmten Inhalten eine besondere Stellung zu geben wünscht. Die teilweise übertrieben sarkastisch wirkenden Bühnenanweisungen bekräftigen diese Vermutung. Jelinek will Einfluss nehmen, allerdings zeigt die Ironie, mit der das geschieht, wie schwierig ihr diese Mission erscheint. Die Auftritte der Autorin-Figuren sowie die Regieanweisungen stellen deshalb einen wichtigen Aspekt bei der Selbstkonzeption Jelineks dar. An ihnen lässt sich ein interessantes Bild ablesen über ihre Selbstsicht, ihre Wahrnehmung der öffentlichen Sichtweise ihrer Person sowie ihre Auffassung der eigenen Position im Theater. In den ersten beiden Abschnitten dieser Arbeit wird das literarische Werk Jelineks auf Merkmale von Selbstinszenierung untersucht. Dabei ist auch eine möglichst umfassende Interpretation der fraglichen Textstellen zu leisten, weil aus dem unmittelbaren Kontext Rückschlüsse zur Frage nach der Selbstinszenierung entstehen. Im dritten Teil folgt eine Beleuchtung Elfriede Jelineks als öffentlicher Person. Darin wird untersucht, wie und in welchem Maß das öffentliche Auftreten der Autorin auf eine Selbstinszenierung auch abseits der Bühne schließen lässt. Denn alles Leben ist immer auch Schauspiel.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Hannover
Seminar für deutsche Literatur und Sprache

Selbstinszenierungen einer Autorin:
Elfriede Jelinek als literarische Figur und öffentliche Person

Magisterarbeit

eingereicht von

Guido Scholl

2004

Inhaltsverzeichnis

Einleitung ... 3

1. Grundsätzliches zu den Auftritten der Autorin-Figuren in Jelineks Stücken ... 5
1.1. Quantität der Auftritte ... 6

2. Ein Sportstück, Das Werk, Regieanweisungen – Wie sich Jelinek im Theater selbst inszeniert ... 8
2.1. Ein Sportstück – Elfi Elektra/Die Autorin ... 8
2.1.1 Ein Mischwesen ... 11
2.1.1.1. Die Problematik autobiografischer Bezüge ... 11
2.1.1.2. „Künstliche Natürlichkeit“ – Die moderne Sage ... 12
2.1.1.3. Jelineks Gebrauch antiker Vorbilder ... 14
2.1.2. Antiker Krieg und Moderner Sport ... 16
2.1.3. Hektor und Achill – Angriffe auf die Autorin ... 20
2.1.3.1. Vorwurf der Aggressivität ... 21
2.1.3.2. Akzeptanz im eigenen Land ... 23
2.1.4. Elfi Elektra als Voyeurin in der Welt des Sports ... 24
2.1.4.1. Selbstkonzeption im ersten Monolog ... 25
2.1.4.2. Gleichmacher Sport ... 26
2.1.4.3. Elfi Elektra als Opfer ... 28
2.1.4.4. „Eine Göttin die nicht und nicht gebären kann“ ... 29
2.1.5 Sport-Welt: lebendige und Tote ... 30
2.1.5.1. Die Welt der lebenden – eine geschlossene Gesellschaft ... 31
2.1.5.2. Zuschauer als Lebende – Sportler als Tote ... 33
2.1.5.3. Widerstand innerhalb der Masse ... 34
2.1.5.3.1. Die gegnerische Masse ... 36
2.1.6. Elfi Elektra auf der Suche ... 38
2.1.7. Der zweite Elektra-Monolog: Kampf dem „unseligen Geschlecht“ ... 40
2.1.7.1. Der abgeschobene Vater ... 41
2.1.7.2. Jelineks Sicht des Matriarchats ... 43
2.1.7.3. Zuschreibung von geschlechtlicher Identität ... 46
2.1.7.4. Fiktionalität der Geschlechter ... 47
2.1.7.5. Elfi Elektra als Mörderin ... 49
2.1.7.6. Das Nicht-Opfer ... 51
2.1.7.7. Sex und Tod ... 54
2.1.7.8. Abschluss des zweiten Elektra Monologs ... 56
2.1.8. Der Auftritt der „Autorin“ ... 56
2.1.8.1. Sprache und Stil ... 56
2.1.8.2. Ein Schlusswort ... 59
2.2. Das Werk – Die Rolle der Autorin ... 60
2.2.1. Die Autorin schaltet sich ein ... 60
2.2.2. Struktur des Monologs ... 61
2.2.2.1. Prinzip der Verdichtung und Verflechtung ... 62
2.2.2.2. Ein gelungenes Sprachspiel – Jelineks Auffassung vom Schreiben ... 65
2.2.3. „Von jetzt an gehts bergab“ ... 67
2.2.4. Peters Antwort ... 68
2.2.5. Vergleich zur Autorin-Figur in Ein Sportstück ... 69
2.3. Regieanweisungen – Wie Jelinek (mit dem) Theater spielt ... 70
2.3.1. Ältere Stücke: Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaft und Krankheit oder moderne Frauen ... 70
2.3.2. Auswüchse der Ironie: Szenenanweisungen in Ein Sportstück, In den Alpen und Das Werk ... 73
2.3.3. Der Diskurs in den Szenenanweisungen ... 77

3. Öffentliche Auftritte – Extravaganz, Idealismus und Provokation ... 80
3.1. Agitation und Aufführungsboykott – Reaktionen zur Regierungsbeteiligung der FPÖ ... 80
3.1.1. „Kultur-Alarm“ ... 80
3.1.1.1. Salzburger Festspiele 1999 ... 81
3.1.1.2. Kampf dem Kulturkampf ... 82
3.1.2. Demonstrationen auf dem Stephansplatz ... 83
3.1.3. Widerstandslesungen ... 85
3.1.4. Das zweite Aufführungsverbot ... 87
3.2. Jelinek-Interviews: Über Politik, Sexualität, Selbstauslöschung und das Schreiben ... 90
3.2.1. Interviews zu Politik und Literatur ... 90
3.2.2 Vermischung von Privatem Literatur und Politik ... 93
3.3. Bilder ... 96

Nachbemerkung ... 101

Literaturverzeichnis ... 103
Bildernachweis ... 105

 

Einleitung

„Wer vor Jelineks Texten erschrickt, erschrickt vor sich selbst“, schreibt Elfriede Gerstl in einem Versuch, „die krasse Reaktion der Öffentlichkeit auf das Werk ihrer Kollegin
zu analysieren.“1 Folglich ist eine Portion Mut erforderlich, um sich mit diesen Texten auseinander zu setzen. Doch so sehr Elfriede Jelinek die Zustände in der modernen Gesellschaft, vornehmlich in ihrer Heimat Österreich, mittels krasser und teils brutal anmutender Bilder anprangert und mit dem literarischen Finger auf jene zeigt, die ihrer Ansicht nach eine Schuld an den Missständen tragen (hier wäre die FPÖ zu nennen, bestimmte Würdenträger der Kirche, Wirtschaftsfunktionäre und all jene, die aus ideologischen Gründen am Mythos Österreich als idyllischem Alpenkleinod festhalten wollen), muss man doch davon ausgehen, dass sie keine Lehrfigur im Sinne einer Moralpredigerin sein will.
Viel mehr geht es der Autorin darum, das, was ihrer Meinung nach falsch läuft im Staate Österreich, beim Namen zu nennen, es laut auszusprechen um eben nicht zuzulassen, dass das passiert, was in Österreich als Negativbeispiel nach dem Zweiten Weltkrieg geschehen ist: Verdrängung und Vertuschung. Allein dadurch, dass den Menschen immer wieder gesagt wird, wo gesellschaftliche Ungerechtigkeiten (Beispiel: Fremdenhass) herrschen oder wo unangenehme Wahrheiten verdrängt werden (Beispiel: Zwangsarbeit in Nazi - Österreich), wird ein Bewusstsein geschaffen. Dieses Bewusstsein ist der erste Schritt zur Verbesserung der Zustände. Es ist also anzunehmen, dass Jelinek jedem das „Erschrecken“ zugesteht – man muss sich nicht schämen, wenn man erschreckt und sich unterbewusst vielleicht lieber von bestimmten Textpassagen abwenden möchte. Das bedeutet nämlich nur, dass die Autorin ihr Ziel erreicht hat – eine existente Problematik bewusst zu machen und zu zeigen, wie akut das Problem die Zeitgenossen angeht.
Das „Erschrecken“ vor sich selbst ist der beste Beweis für die Aktualität und die Bedeutsamkeit Jelinekscher Literatur. Das Moralisieren ist nicht Jelineks Sache. Trotzdem kann man gerade in den neueren Texten wie Ein Sportstück und Das Werk beobachten, dass Autorin-Figuren auftreten. Die heißen entweder explizit „Autorin“ oder im Sportstück Elfi Elektra. Solche Auftritte legen nahe, dass Jelinek bestimmten Inhalten eine besondere Stellung zu geben wünscht. Die teilweise übertrieben sarkastisch wirkenden Bühnenanweisungen bekräftigen diese Vermutung. Jelinek will Einfluss nehmen, allerdings zeigt die Ironie, mit der das geschieht, wie schwierig ihr diese Mission erscheint. Die Auftritte der Autorin-Figuren sowie die Regieanweisungen stellen deshalb einen wichtigen Aspekt bei der Selbstkonzeption Elfriede Jelineks dar. An ihnen lässt sich ein interessantes Bild ablesen über Jelineks Selbstsicht, ihre Wahrnehmung der öffentlichen Sichtweise auf ihre Person sowie ihre Auffassung der eigenen Position im Theater.
In den ersten beiden Abschnitten dieser Arbeit wird das literarische Werk Jelineks auf Merkmale von Selbstinszenierung untersucht. Dabei ist auch eine möglichst umfassende Interpretation der fraglichen Textstellen zu leisten, weil aus dem unmittelbaren Kontext wichtige Rückschlüsse zur Frage nach der Selbstinszenierung entstehen. Im dritten Teil folgt eine Beleuchtung Elfriede Jelineks als öffentlicher Person. Darin wird zu untersuchen sein, wie und in welchem Maß das öffentliche Auftreten der Autorin auf eine Selbstinszenierung auch abseits der Bühne schließen lässt. In diesem Zusammenhang erscheint es auch sinnvoll, durch Bildbeispiele eine visuelle Bestätigung zu versuchen.

1. Grundsätzliches zu den Auftritten der Autorin-Figuren in Jelineks Stücken

In den Jelinek-Theatertexten von Totenauberg (1991) an ist eine deutliche Tendenz hinzu einer Art Entfremdung zu spüren. Die Figuren in den Theater-Stücken werden immer weniger als Individuen dargestellt. Zwar war auch in Jelineks früheren Texten immer an Austauschbarkeit der Figuren gedacht. Doch waren beispielsweise in Burgtheater oder Clara S. musikalische Tragödie sogar real existierende oder historische Personen beteiligt. Clara Schumann und die Familie Wessely bestimmen die Handlung. In Totenauberg sind es Heidegger und dessen Lebensgefährtin.
Selbst im Unterschied zu Stecken, Stab und Stangl (1995), dass zwischen Totenauberg und Ein Sportstück (1998) entstanden ist, kann ein stilistischer Unterschied festgestellt werden. Karin Czerny schreibt: „Mehr noch als in Stecken, Stab und Stangl lassen sich klar abgrenzbare Textblöcke herausschälen.“2 Die eigentliche Handlung und klassische Diskursivität ist dort (wie auch in Totenauberg) bereits nicht mehr existent: „Es gibt keine Handlung (außer dem Häkeln) und keine traditionellen Dialoge. Wie in den früheren Stücken sind die Figuren nur Echokammern unterschiedlicher Diskurse.“3 Ingo Breuer sieht in Ein Sportstück zudem eine zunehmende Bedeutung der Aktionen auf der Bühne: „Während in Stecken, Stab und Stangl die Gewalt nur diskursiv vorgeführt wird, wird sie hier auch zu einer szenischen Parallelebene. Damit bildet eine Illustration und eine Kommentierung des Sprechtexts mit seiner latenten Gewalttätigkeit.“4
Es kann also von einer Steigerung im stilistischen Sinn gesprochen werden. Die älteren Stücke zeigten noch deutliche Spuren typischer Dramentexte. Mit der Zeit wandelte sich der Stil zu immer austauschbareren Figuren, zu Monolog und Sprachflächen statt Dialog und Diskursivität, weg von klassischer Mimesis hin zu der oben beschriebenen szenischen Parallelebene von Handlung.

1.1. Quantität der Auftritte

In den neueren Theaterstücken häufen sich bei Jelinek die „Selbstauftritte“. In Ein Sportstück, In den Alpen, und Das Werk baut sie an verschiedenen Stellen Figuren ein, die entweder „Autorin“ heißen oder durch einen anderen Namen auf einen Selbstbezug zu Elfriede Jelinek darauf hindeuten, dass sie hier ihre eigene Stimme erhebt. Das tut eine Schriftstellerin gemeinhin in jeder ihrer Figuren. Aber durch den „Selbstauftritt“ geschieht dies auf einer anderen Ebene. Darüber hinaus erhält das Gesagt eine gewisse Ausnahmestellung. Sind andere Figuren immer noch durch das ausfüllen einer Rolle teilweise auch fremdbestimmt, kann eine Autorin-Figur nicht nur einen eigenen Standpunkt vertreten. Sie kann auch über ihr eigenes Stück sprechen. Dieser Aspekt erscheint bei der Betrachtung der Selbst-Auftritte Jelineks sehr wichtig zu sein. Immerhin versucht sie auch durch ihre ungewöhnlich expliziten Bühnenanweisungen schon eine Art Vorgriff auf die Aufführungen auszuüben (wieweit dieser ironisch gemeint ist, werde ich in 2.3. besprechen) und darüber hinaus einen Interpretationsansatz oder zumindest eine Verständnishilfe zu leisten.
In Das Werk gibt es einen Auftritt einer Autorin-Figur. „Die Autorin“ hält einen der kürzeren Monologe. Von Seite 169 an bis Seite 172 spricht sie über den Staudammbau zu Kaprun. So gesehen erscheint die Stelle in Bezug auf das gesamte Stück recht unbedeutend. Trotzdem muss man auch dort einen Zusammenhang zu den Regieanweisungen herstellen. Dadurch ist Jelinek selbst in regelmäßigen Abständen immer wieder, auch über ihre übrigen Figuren hinaus, im Stück präsent. Interessant ist auch ein Blick auf das überraschend ausfallende Nachwort Jelineks. Sie bietet im Anschluss an die drei Stücke In den Alpen, Der Tod und das Mädchen III und Das Werk eine Inhaltsangabe oder Interpretationsgrundlage. Dies ist an sich ungewöhnlich für eine Schriftstellerin, die es ansonsten wenig kümmert, das ihr Stil zuweilen als schwierig empfunden wird.
In In den Alpen fehlt eine entsprechende Figur. Es tritt auf den ersten Blick keine „Autorin“ auf. Allerdings findet man in dem insgesamt 58 Seiten umfassenden Text eine unverhältnismäßig erscheinende Fülle von Regieanweisungen. Den Anfang macht die für Jelinek inzwischen typische Anfangs-Anweisung auf Seite 7. Neben den üblichen kurzen Anweisungen folgt eine weitere Längere auf Seite 41, sie kündigt den Auftritt der Figur „Mann“ an und liefert die Erklärung, dass es sich um eine Anlehnung an Paul Celan handeln soll. Auf Seite 59 folgen weitere anderthalb Seiten Bühnenanweisung, zwei Seiten weiter ein abschließender Block. Nimmt man die Massivität dieser Anweisungen, so kann man auch hier wieder den direkten Einfluss durch eine Autoren-Stimme erkennen.
Ein Sportstück ist das Stück mit den, rein zahlenmäßig betrachtet, häufigsten Auftritten von Autorin-Figuren. Gleich zu Beginn hält „Elfi Elektra“ einen Monolog. „Elfi“ ist eine Koseversion von Elfirede. Der zusätzliche Bezug zur Sagengestalt Elektra, Tochter des Agamemnon, unterscheidet diese Figur deutlich von der der „Autorin“, die auf den letzten beiden Seiten des Stücks den Schlussmonolog hält. Der erste „Elfi Elektra“ - Monolog umfasst neun Seiten. (S. 8 - 16)5 Ein weiterer kürzerer Monolog folgt (Sport, S. 170 –174). Ein dritter kurzer Auftritt findet auf Seite 181 statt. Außerdem wird durch die Figur „Der Taucher“ noch einmal Bezug auf die Figur genommen (Sport, S. 168). Den Schluss bildet ein Monolog der Figur „Autorin“ (Sport, S. 184 – 188).
Von der Quantität her ist Ein Sportstück offenbar das bedeutendste Stück im Hinblick auf Jelineks Selbstauftritte. Die Tendenz, Einfluss auf die Aufführungen eigener Stücke zu nehmen, muss deshalb nicht automatisch größer sein. Auch in Totenauberg und Stecken, Stab und Stangl benutzt Jelinek die ausgedehnten Szenenanweisungen. Allerdings erlangt der Aspekt der „Selbstinszenierung“ mit Ein Sportstück eine neue Intensität.

2. Ein Sportstück, Das Werk, Regieanweisungen – Wie sich Jelinek im Theater selbst inszeniert

In den Stücken Das Werk und Ein Sportstück kann der Aspekt der Selbstinszenierung oder Selbstkonzeption am deutlichsten behandelt werden, weil hier die Autorin Jelinek explizit selbst als Figur „auftritt“. Allerdings müssen zum Thema auch die Bühnenanweisungen und deren Entwicklung im Verlauf der Jahre berücksichtigt werden. Auch dort findet sich jede Menge an Information zum Verständnis der eigenen Rolle als Schriftstellerin und der Sicht des Theaters durch Elfriede Jelinek. Da im Sportstück die Auftritte der Elfi Elektra sowie der Autorin am häufigsten statt finden und vor allem auch besonders umfassend sind, wird dieses auch den größten Teil in Punkt 2. einnehmen.

[...]


1 Gerstl, Elfriede. Elfriede Jelinek. "Schrilleres weiß ich heute nicht anzubieten." Die Frau als Wutableiter. http://polyglot.lss.wisc.edu/german/austria/jelinek.html
Anmerkung zu Internetzitaten: Da Zitate aus online-Quellen nach meiner Feststellung hin und wieder Rechtschreibfehler beinhalten, behalte ich mir vor, solche stillschweigend zu korrigieren, sofern es sich um offensichtliche Rechtschreib- oder Tippfehler handelt.

2 Czerny, Karin. Elfriede Jelinek. Ein Sportstück. http://www.literaturhaus.at/buch/buch/rez/jelinek/ S. 1.

3 Breuer, Ingo. Zwischen ‚posttheatralischer Dramatik’ und ‚postdramatischem Theater’. Elfriede Jelineks Stücke der neunziger Jahre. http://www.inst.at/trans/9Nr/breuer9.htm S. 2.

4 Ebenda. S. 3.

5 Jelinek, Elfriede. Ein Sportstück. Hamburg, 1998. Ich werde Ein Sportstück im weiteren Verlauf der Arbeit mit (Sport) und der dazugehörigen Seitenzahl zitieren. Also etwa: (Sport, S.10).

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